Originale

Tweed


DES WIDERSPENSTIGEN ZÄHMUNG Der Tweed

Wer diesen handgewebten, groben und festen Stoff aus bester schottischer Wolle, gefertigt oftmals als Harris Tweed auf den Inseln Harris und Lewis, einmal in Händen hielt, weiß, warum Kenner meinen, dass Tweed-Produkte dem Besitzer erst so richtig nach zwei Jahren gehören. Zäh und etwas widerspenstig wie seine Produzenten ist der Tweed zum stofflichen Synonym der britischen Lebensart geworden, auch in Hamburg. So gilt das Tweed-Sakko mit seinen unzähligen Mustern, Farben und Formen als einer der Eckpfeiler des britischen Country-Stils. Es ist der treue Begleiter auf jedem Golfplatz, auf Land- und Jagdgesellschaften oder bei einem vollendeten Picknick. Wer weitere Gelegenheiten benötigt – bitte: Seit Jahren wird in der City of London und neuerlich auch in Berlin der Tweed Run gefahren. Zu dieser Veranstaltung, die ihresgleichen sucht, treffen sich Liebhaber des Traditional British Styles mit ihren historischen Fahrrädern.

Aber aus dieser rauen Stoffspezialität werden längst nicht nur Sakkos gefertigt. Es gibt Tweed-Binder und -Schleifen, Tweed-Hosen und -Anzüge, Tweed-Westen, Tweed-Taschen und sogar Schuhwerk mit Tweed-Elementen, ja selbst Tweed-Kopfhörer und Kissen.

Neben einem umfangreichen Sortiment an Tweed-Bekleidung steht Ihnen auch hier unsere Maßkonfektion zur Verfügung. Und wem ein Sakko nicht reicht – wie wäre es mit einem ganzen Tweed-Anzug?

Neben dem berühmten Harris Tweed führen wir außerdem Produkte aus Donegal, Herringbone und Saxony-Tweed.


Harris Tweed Der Schotte

Der legendäre Harris Tweed wird nach wie vor nur auf den schottischen Hebriden-Inseln Harris, Lewis, Uist und Barra hergestellt. Wie früher wird der Tweed in Privathaushalten von den Inselbewohnern gewebt und besteht aus inseleigener Schurwolle, vor Ort gefärbt und gesponnen.

Betrachtet man ein Stück dieser Stoffspezialität aus der Nähe, erkennt man die unzähligen bunten Stofffasern, die sich im Gewebe verbergen und für die komplexe Multicolor-Optik verantwortlich sind. Dieser Effekt wird erzielt, weil die Wolle erst gefärbt und dann zum Garn gesponnen wird. In einem Garn sind viele unterschiedliche Farbschattierungen enthalten und schon das Design des Garns ist extrem wichtig für das Endresultat. Gewebt wird der Harris heutzutage auf dem Hattersley-Webstuhl, der mit dem Fuß betrieben wird. Es existiert eine Vielzahl an klassischen und teilweise jahrhundertealten Musterungen von Fischgrat bis Tartan, ergänzt durch moderne, abstrakte Musterungen. Einen echten Harris erkennt man an dem geschützten Label mit „Orb“ (Reichsapfel) und Malteserkreuz.    

Die Berühmtheit dieses Wolltuches wurde im 19. Jahrhundert durch die weitsichtige Lady Catherine Dunmore begründet, die das Erzeugnis ihrer damaligen Untertanen in den aristokratischen Kreisen Englands bekannt machte. Als Hofdame Queen Victorias nutzte sie ihre guten Beziehungen zu Englands Hochadel und bereitete damit quasi den Weg für den typisch britischen Countrylook. Sie förderte die Textilindustrie der Insel Harris, deren Geschicke sie nach dem Tod ihres Gatten selber verwaltete, und gab damit besonders den weiblichen Inselbewohnern die Möglichkeit, dank heimischer Webstühle ihren Lebensunterhalt zu verdienen.


Donegal Der Ire

Ein echter Donegal stammt aus dem gleichnamigen irischen County in der historischen Provinz Ulster. Charakteristisch für diese, im Vergleich zum schottischen Harris Tweed etwas weicheren, Variante des robusten Wollstoffes sind die noppenartigen Farbeinschlüsse, die in unregelmäßiger Abfolge und verschiedensten Farbtönen im Gewebe eingewebt sind.

Die Wolle wird in vielen Fällen mit einheimischen Pflanzen- und Fruchtfarbstoffen wie dem der Blaubeere, von Moos oder Ginster gefärbt und stammt von irischen Schafen. Auch heute werden bekannte Dessins wie Fischgrat und die bekannte „Salz & Pfeffer“-Optik noch auf hölzernen Webstühlen handgewebt. Ihre Namen verdanken diese beiden typischen Donegal-Gewebearten der Flora und Fauna Irlands: der Herringbone, benannt nach den Gräten der Fische des Atlantiks und der Salt & Pepper, benannt nach den Quarz gesprenkelten Höhen der Bluestack Mountains.

Nachdem die irische Tweed-Industrie in den 70er Jahren mit dem allgemeinen Trend zur Synthetikfaser einen regelrechten Niedergang erlebte, gibt es seit der Jahrtausendwende eine Rückbesinnung vieler irischer Weber auf ihre Wurzeln. Manufakturen wie Magee oder Molloy & Sons sind weltweit bekannt für ihre hochwertigen Donegals.


Saxony Tweed Der Sachse

Kaum zu glauben, aber auch in Deutschland wurde einst Tweed produziert, genauer gesagt in Sachsen. Die eigens für diese Zwecke gehaltenen Saxony-Merinoschafe lieferten die Wolle für das weiche „Mittelgewicht“ unter den Tweeds. Ende des 18. Jahrhunderts soll es vier Millionen Merinoschafe in Sachsen gegeben haben. Sie waren Nachkommen einer Herde spanischer Artgenossen, die der damalige sächsische Kurfürst Friedrich August der Dritte von seinem Cousin, dem spanischen König Carlos dem Dritten, geschenkt bekam.

Für einen echten Saxony werden zweifädige Garne genutzt, um dem Gewebe eine besondere Textur in Haptik und Optik zu verleihen. Die Wolle dieser besonderen Schafe ist kurzflorig, sehr fein und elastisch. Trotz Robustheit und regenabweisender Oberfläche hat ein Saxony-Tweed einen sanften, weichen Griff. Charakteristische Musterungen sind Hahnentritt und Unis mit großen Überkaros.